Online-Portal für faire Mode

In der Modebranche gibt es bisher noch kein gesetzlich geschütztes Zertifikat, das eine saubere und fair hergestellte Kleidung gewährleistet. Vielmehr gibt es eine Flut von kleinen, voneinander unabhängigen Gütezeichen, die entweder für das Material bürgen oder für die Produktionsbedingungen. Um etwas Licht ins Dunkel der Textilsiegel zu bringen, stellt die modeaffaire die wichtigsten Bio-Siegel vor:

Fairtraide Certified Cotton

Das Siegel wurde von Transfair entwickelt. Viele dürften es von Kaffee oder anderen fair gehandelten Produkten kennen. Das Thema Baumwolle ist bei Transfair eher neu. Das Siegel schützt in erster Linie die Baumwollproduzenten und ihre Familien. Aber auch weiterverarbeitende Betriebe wie Spinnereien oder Webereien werden auf die Einhaltung sozialer Standards überprüft. Da das Fairtrade-Siegel ein reines Sozial-Zertifikat ist, gibt es keine Rückschlüsse über den Handel mit Biobaumwolle. Tatsächlich stammen nur rund 20 % der fairen Baumwolle auch von biologischen Äckern.

Global Organic Textile Standart (GOTS)

GOTS wurde vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) zusammen mit der Soil Association (SA) aus England, der Organic Trade Association (OTA) aus den USA und der Japan Organic Cotton Association (JOCA) entwickelt. Neben dem ökologischen Anbau werden auch alle weiteren Produktionsschritte berücksichtigt. Es gibt zwei Qualitätsstufen bei der Vergabe des GOTS-Siegels. Aus mindestens 90 % Naturfasern muss ein Kleidungsstück bestehen, außer bei Sportbekleidung. Hier dürfen bis zu 25 % synthetische Fasern eingesetzt werden. Doch insgesamt sind 70% der Fasern aus Bio-Anbau ein festgelegtes Minimum. Zudem ist geregelt, wie die Fasern weiterverarbeitet werden dürfen. Das gewährleistet, dass eine mögliche Schadstoffbelastung im Endprodukt so gering wie möglich ist. Auch soziale Mindeststandards, die regelmäßig überprüft werden, sind Teil des GOTS. Die Liste zugelassener Farben und Hilfsmittel ist knapp, Ausnahmen sind aber erlaubt: Bei den schwermetallhaltigen Farben darf Kupfer eingesetzt werden. Die Veredelung von Baumwollgarnen mit Natronlauge zur Erhöhung des Glanzes ist bei GOTS erlaubt. Auch optische Aufheller sind zugelassen. Bei Accessoires sind Einlagen, Stickgarne oder Bänder aus Viskose erlaubt, müssen nicht unbedingt aus Naturfasern bestehen. Auch Knöpfe aus Kunststoff dürfen beispielsweise eingesetzt werden. Mittlerweile können bereits mehr als 2.700 Unternehmen ihre Kollektionen mit dem GOTS-Siegel im internationalen Handel anbieten.

BEST-Siegel

Der BEST Standard liegt weit über der Gesetzgebung der europäischen Union. Er ist derzeit der Standard mit den höchsten Ansprüchen an textile Ökologie und zeigt das momentan größmögliche Niveau auf. BEST bildet die gesamte textile Produktionskette ab, sowohl in ökologischer als auch in sozialverantwortlicher Hinsicht. Die Richtlinien für BEST schreiben vor, dass ein Betrieb über eine gewisse Umweltpolicy verfügen muss. In einem Dokument müssen Maßnahmen zur Minimierung und Überwachung von Abfall und Umweltbelastungen festgehalten werden, das der Zertifizierungsstelle vorgelegt wird. Bei dem BEST-Siegel müssen die Stoffe (also das eigentliche Gewebe ohne Zutaten wie Reißverschlüsse, Bündchen, Knöpfe usw.) zu 100% aus Naturfasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Synthetische Fasern, wie z. B. Elasthan, Polyacryl oder Viskose dürfen nur zu höchstens 5 % bei Zutaten oder in Ausnahmefällen bei elastischen Stoffen eingesetzt werden, wie beispielsweise bei Bündchen oder Spitze. Bei der Verarbeitung der Kleidung wie beispielsweise beim Spinnen, Färben, Weben, Stricken oder Nähen dürfen grundsätzlich keine Substanzen eingesetzt werden, die unter der Richtlinie 67/548/ der EU gelistet sind. Diese Liste führt eine große Zahl einzelner Gefahrstoffe, die krebserzeugend, Erbgut schädigend, Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigend wirken oder Kinder bereits im Mutterleib schädigen können. Auch bei der Verpackung wird auf die Umwelt geachtet: Esl darf kein PVC enthalten. Sämtliche Transportmittel und -wege müssen dokumentiert werden.

bluesign Standard

Das bluesign-Siegel möchte einen 180 Grad Standard schaffen: Die Idee dabei ist, die gesamte Produktionskette auf allen Stufen abzusichern – quasi vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt. Der bluesign Standard orientiert sich anhand verschiedener Kategorien wie Konsumenten- und Arbeitssicherheit, Gewässerschutz, Ressourcenproduktivität und Luftemissionsschutz und garantiert eine globale Absicherung. So sollen nur Komponenten in die textile Kette gelangen, die für Mensch und Umwelt unbedenklich sind. Auf der Website von bluesign erhält man ausführliche Informationen darüber, welche Rohstoffe, aber auch welche chemische Komponenten diesem Standard entsprechen.

Naturland-Siegel

Naturland ist - neben anderen wie Bioland oder demeter - einer der großen ökologischen Anbauverbände. Anfangs rein auf die Landwirtschaft konzentriert, verfolgt er inzwischen auch eigene Richtlinien für diverse andere Bereiche wie ökologische Waldnutzung, Kosmetik und auch Textilherstellung. 2006 wurde das erste Textilprojekt nach Naturland Richtlinien zertifiziert. Die Richtlinien von Naturland für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte sind strenger als bspw. die EU-Öko-Verordnung. Sie enthalten Standards wie nachhalitges Wirtschaften, praktizierter Natur- und Klimaschutz, Sicherung und Erhalt von Boden, Luft und Wasser sowie den Verbraucherschutz. In den Naturland-Richtlinien wird auch festgelegt, welche Verfahren und Stoffe bei der Verarbeitung der Textilien eingesetzt werden dürfen. Zusätzlich müssen regelmäßig und an wechselnden Stellen der Verarbeitungskette Rückstandsanalysen vorgenommen werden, wobei die von Naturland festgelegten Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen. Auch Sozialrichtlinien müssen eingehalten werden. Diese entsprechen den Anforderungen der internationalen Arbeitsorgansiation (ILO), sind aber weniger weitgehend als beispielsweise die von FairTrade.

Ökotex

Unter dem Label Öko-Tex werden insgesamt drei Arten von Zertifikaten vergeben, die zum Teil nicht als "Bio-Label" bezeichnet werden können. Das bisher häufigste, der Öko-Tex Standard 100, zertifiziert ausschließlich die Schadstoffarmut des gekauften textilen Produktes. Über die sonstigen Herstellungsbedingungen und die Produktion der Rohstoffe wird keine Aussage gemacht. Es ist also kein "Bio-Label" wie bei Bio-Lebensmitteln. Je nach Einsatzzweck des konkreten Produktes variieren die im Standard gerade noch erlaubten Rückstände bestimmter bedenklicher Stoffe. Je enger der Hautkontakt ist, desto niedriger sind die Grenzwerte; einige Stoffe dürfen gar nicht verwendet werden bzw. nicht nachweisbar sein. Es kommt durchaus vor, dass Herstellern das Zertifikat entzogen wird, weil bei einer Produktkontrolle doch wieder zu viel Schadstoffe entdeckt wurden. Einerseits zeigt das, dass durchaus Kontrollen stattfinden. Es bleibt aber immer der ungute Beigeschmack: Wieviele Produkte wurden nicht entdeckt, die das Label eigentlich auch nicht mehr tragen dürften? Wer sich selbst informieren will, welche Zertifkate entzogen wurden, kann auf der Webseite zum Öko-Tex Standard 100 unter "Zertifizierte Artikel -> Entzogene Zertifikate" nachschauen. Beim Öko-Tex Standard 1000 wird dagegen die Fabrikationsstätte als umweltfreundlich zertifiziert. Auch gewisse arbeitsrechtliche Mindeststandards müssen erfüllt werden. Zusätzlich muss gelten, dass mindestens 30% der produzierten Produkte nach Öko-Tex Standard 100 geprüft werden. Schließlich kann ein Produkt den Öko-Tex Standard 100plus verliehen bekommen, wenn sowohl alle an der Herstellung beteiligten Produktionsstätten nach Öko-Tex Standard 1000 zertifiziert sind und das Produkt selbst den Öko-Tex Standard 100 erfüllt. Auch bei Öko-Tex Standard 100plus kann man aber im Vergleich zu anderen Zertifikaten (Fairtrade, Naturtextil) von schwächeren Anforderungen sprechen.

Naturleder IVN zertifiziert

Nicht nur Stoffe, auch Leder kann biologisch korrekt produziert werden. Seit 2001 entwickelt der IVN die Standards dieses europaweit ersten Zertifikats für Naturleder. Richtlinien des Siegels sind die Vermeidung von Umweltbelastungen, der Schutz von Menschen, die Lederwaren produzieren und kosumieren, die Überprüfung der Entsorgung und Recyclingfähigkeit von Materialien sowie die Dokumentierung von Gefahrenstoffen.