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Anbau

Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist eine anspruchslose Pflanze, die auf fast jedem Boden wächst und ihn nicht auslaugt. Im Gegensatz zum Anbau von Baumwolle sind chemische Pflanzenschutzmittel nicht nötig. Wilde Brennnesseln haben einen Faseranteil von maximal fünf Prozent. Hochgezüchtete Sorten aus wissenschaftlichen Studien kommen auf bis zu 20 Prozent. Dennoch ist der Ertrag auch bei den hochgezüchteten viel geringer als beispielsweise bei Hanf. Und die faserreichen Pflanzen lassen sich nur über Stecklinge vermehren, nicht über Samen. Ein Vorteil der Brennnessel ist jedoch, dass man sie bis zu 20 Jahre lang ohne Neubepflanzung ernten kann. Der bisher einzige Hersteller von Stoffen aus Brennnesseln war das Stoffkontor Kranz. 2009 hat der Hersteller jedoch Insolvenz angemeldet.

Verarbeitung

Wie bei anderen Faserpflanzen auch müssen die Fasern der Brennnessel von den restlichen Pflanzenbestandteilen gelöst werden. Das ist nach einer verkürzten, vom Wetter abhängigen Feldröste durch einen enzymatischen Prozess ohne chemische Zusätze möglich. Dieses Verfahren hatte sich die Stoffkontor Kranz AG patentieren lassen.

Für Textilien werden die Brennnesselfasern in Mischgeweben mit Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau verarbeitet. Reine Brennnesselstoffe sind auf dem Markt noch nicht verfügbar, da die Erträge noch zu gering sind. Die Stoffe erhalten keine chemischen Ausrüstungen wie zum Beispiel mit Kunstharzen, die Textilien pflegeleichter machen.

Eigenschaften

Stoff aus Brennnesselfasern ist weich und glänzt ähnlich wie Seide. Die Fasern sind reißfester als die von Hanf. Brennnesselstoffe sind deshalb besonders strapazierfähig und langlebig. Darüber hinaus nehmen sie Feuchtigkeit gut auf.

Herkunft

Schon im Mittelalter wurden Brennnesselfasern genutzt, um daraus z. B. Segel und Fischernetze herzustellen. Wie Hanf und Leinen wurde auch die Brennnessel von der Baumwolle verdrängt. In Zeiten, in denen Baumwolle rar war, wie um 1900 und in den beiden Weltkriegen, stellte man wieder Textilien und Uniformen aus Brennnesselfasern her. So galten die Brennnesselstoffe damals als das „Leinen der Armen“.

Eine verwandte Art unserer Brennnessel, die Nilgirinessel (Girardinia diversifolia), wächst in Nepal und wird dort zur Textilherstellung verwendet.

Vorsicht: Die Begriffe „Nesselstoff“ oder „Nesseltuch“ stehen heute für eine Stoffart aus Baumwolle und bedeuten nicht, dass der Stoff aus Brennnesseln gewonnen wurde.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten

Nesselfasern können auch zu einem Vlies gepresst werden, das sich als Innenverkleidung von Autotüren oder als Verpackungsmaterial eignet. Die Brennnessel wird außerdem auch als Heilpflanze genutzt, taucht in vielen Kochrezepten auf und findet sich in Kosmetikartikeln.