Online-Portal für faire Mode

Der Großteil unserer Bekleidung wird in Entwicklungs- und Transformationsländern, vor allem Asien, hergestellt. Auch aufgrund des zunehmenden Kostendrucks auf Lieferanten sind die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern häufig schlecht: die Arbeit ist oftmals sozial ungeschützt, die Reallöhne sinken und bieten keine Existenzsicherung mehr; gewerkschaftliche Betätigung wird unterdrückt.

Die heutigen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken sind zwar nicht mit denen Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts vergleichbar. Früher riskierten die Arbeiterinnen und Arbeiter beim Betätigen der Maschinen regelmäßig ihr Leben. Als Stichwort sei hier die „Soziale Frage“ genannt, die sich mit den sozialen Missständen, die mit der Industriellen Revolution einhergingen, auseinandersetzte.

Inzwischen gibt es fast überall auf der Welt Gesetze, durch die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten besser geschützt sind. Dennoch kommt es auch heute noch zu vermeidbaren Zwischenfällen, wie etwa Ende Februar 2010, als ein Fabrikbrand in Bangladesch 21 Leben forderte. Hier waren Notausgänge blockiert, nach Angaben von Helfern waren Feuerlöscher kaputt oder fehlten komplett.

Auch gibt es heute in fast allen textilproduzierenden Ländern Gesetze, die über Mindestlöhne und Höchstgrenzen für Arbeitszeiten und Überstunden bestimmen. In der Praxis jedoch werden diese oftmals nicht eingehalten, Kontrollen kommen selten unangemeldet.

Das Aktionsbündnis Play Fair befragte 2008 mehr als 320 Arbeiterinnen und Arbeiter in Betrieben in China, Indien, Indonesien und Thailand zu ihren Löhnen, Erfahrungen und Arbeitsbedingungen. Die Ergebnisse wurden im Report „Die Hürden überwinden“ pünktlich zu den Olympischen Spielen in Peking vorgestellt und legen den Schluss nahe, dass die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken nach wie vor, wie es Berndt Hinzmann von Play Fair ausdrückt, „menschenverachtend“ sind. Eine Arbeiterin zum Beispiel klagt: „Wir arbeiten ohne Pause und haben immer Angst, nicht schnell genug zu arbeiten […]. Die Aufseher setzen uns ständig unter Druck und beschimpfen uns. Wir sind müde und schmutzig.“

Ziel "Gewerkschaft"
Bis das Ziel „saubere Kleidung“ als Standard erreicht ist, scheint es noch ein langer Weg. Vier Hürden müssen – zumindest in Hinblick auf faire Arbeitsbedingungen – genommen werden. Die Kampagne von Play Fair fordert zum einen Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen. „Das Problem ist, dass ohne gewerkschaftliche Freiheit und Tarifvertrag eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen unmöglich ist – soviel auch immer über Ethik oder soziale Verantwortung der Unternehmen gesagt wird“, so Ming Lai Chung von der unabhängigen Labour Action China. Hier nur ein Beispiel aus der Praxis: Am 8. November 2007 meldeten die Beschäftigten des Star-Werkes in Honduras offiziell eine Gewerkschaft an. Bis zum 12. November wurden 55 der 58 Gründungsmitglieder entlassen.

Eine weitere Hürde stellen unsichere Beschäftigungsverhältnisse dar. Bei Kurzzeitverträgen besteht häufig kein Anspruch auf grundlegende Absicherungen und Arbeitgeberleistungen. Zudem können diese Beschäftigten oftmals keine Gewerkschaften bilden. Wer für seine Rechte kämpft, kann mit Ablauf des Vertrags problemlos und ganz legal entlassen werden.

Werksschließungen stellen außerdem ein großes Problem dar. In den letzten Jahren nahmen diese als Folge der Umstrukturierung der Produktion und sich wandelnder Einkaufspraktiken drastisch zu. Als Konsequenz hat das nicht nur, dass tausende von Arbeitern ihren Job verlieren, es erzeugt außerdem Angst und Unsicherheit bei den Beschäftigten.

Entlohnung für Billigjeans: Kambodscha an unterster Stelle
Außerdem muss erreicht werden, dass überall existenzsichernde Löhnee gezahlt werden. Die Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie in Kambodscha zum Beispiel verdienen im Monat durchschnittlich zwischen
70 und 80 Dollar, einschließlich Überstunden und Bonuszahlungen. Um einer Familie einen ordentlichen Lebensstandard zu ermöglichen ist das nicht genug. In Shenzhen lag der Mindestlohn 2007 bei RMB 700 pro Monat (USD 100). Selbst wenn beide Partner arbeiteten konnte man davon keine Familie ernähren.

Ad absurdum wird dies geführt, wenn man sich vor Augen führt, wie hoch die Gewinnspannen der Textilfirmen liegen. Die Kampagne für saubere Kleidung rechnet vor, dass bei einer 100 Euro-Jeans die Lohnkosten bei nur einem Euro liegen, die Werbung macht 25 Euro aus, das Gros, satte 50 Euro, steckt der Handel ein. Im Umkehrschluss bedeutet das, selbst wenn die Lohnkosten in Entwicklungs- und Transformationsländern um 100 Prozent stiegen, würde unsere 100 Euro-Jeans nur einen Euro teurer werden.

"Made in...": China ist größter Exporteur
Der Riese in Sachen Textil-Exporte ist mit einem Weltmarktanteil von 31,8% (Quelle: Comtrade, 2008) nach wie vor China. Langfristig jedoch stellt sich die Frage, ob das Land seine Vormachtstellung halten wird. Schon längst klagen Einkäufer deutscher Handelskonzerne und Industriebetriebe, dass die Importe aus China zu teuer geworden sind. Der Erklärungsversuch, die Rohstoffpreise seien gestiegen, greift zu kurz, denn diese sind weltweit gestiegen. Woran liegt es denn? Wie einst die Textilarbeiter in England, lassen sich auch Beschäftigte in China nicht mehr alles bieten. Ein neues Arbeitsgesetz, das 2008 eingeführt wurde, bietet einen besseren Kündigungsschutz und höhere Abfindungen, wodurch für die Unternehmer, insbesondere für die Billigproduzenten, die Ausgaben natürlich steigen. Zusätzlich treibt die Aufwertung des chinesischen Yuan gegenüber dem Dollar die Preise in die Höhe. Der Wettlauf nach unten beginnt erneut – diesmal führt es ihn nach Indien, Vietnam, Kambodscha, Indonesien oder Bangladesch.

Das SÜDWIND Institut forscht seit über 15 Jahren für gerechte Wirtschaftsbeziehungen. Auf modeafFAIRe stellen wir Texte des Siegburger Instituts zur Verfügung.