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Special: Das Färben von Kleidung

Wir alle lieben bunte Kleidung. Jede Modesaison sind neue Farben angesagt: Ob sie Camel, Senfgelb oder Minze heißen. Wir haben uns auch ganz selbstverständlich an bestimmte Standards gewöhnt: Die Seidenbluse soll auch nach dem zwanzigsten Mal Waschen noch in ihrer Farbe erstrahlen, die Bluejeans nicht einlaufen und die Sportklamotten nicht "schwitzen". Doch wie kommt ein T-Shirt zu seiner Trendfarbe? Was passiert beim Färben genau und was macht Klamotten eigentlich so haltbar in Form und Farbe?

Uraltes Handwerk der Menschheit
Das Färberwesen hat als Handwerk eine lange Tradition. Früher waren gute Kleiderfarben nur mit großem Aufwand herzustellen. Um 100 Gramm Wolle purpurn zu färben, mussten beispielsweise rund 10.000 Purpurschnecken gekocht und zerrieben werden. Jahrhundertelang wurde auf natürliche Farbstoffe zurückgegriffen, die aus Mineralien, Hölzern oder Früchten gewonnen wurden. Damit hatte eine intensive Farbe, wie Rot oder Gelb echten Seltenheitswert. Schneller und billiger wurde die Färberei erst, als es im 19. Jahrhundert der chemischen Industrie gelang, eine bunte Palette von Tönen synthetisch herzustellen. Es begann mit der Erfindung des violetten Mauveins. Diesem ersten künstlich gewonnenen Farbstoff folgten viele andere: vom satten Grün bis zum tiefen Schwarz.

Aufwändiger Produktionsprozess - Belastung für die Umwelt
Um Klamotten zu färben, zu bedrucken oder zu bleichen, müssen die Materialien aufwändig behandelt werden. Bei der konventionellen Textilherstellung werden den Farblösungen dabei andere Chemikalien hinzugefügt, wie Salze, Säuren oder Textilhilfsmittel. Letztere machen die Kleidung zum Beispiel bügelfrei, schmutzabweisend oder bewirken, dass Wolle beim Waschen in der Maschine nicht verfilzt. All diese Zusatzstoffe sind da, um die Klamotten pflegeleicht und besonders haltbar für den Konsumenten zu machen.

Das gilt auch für die Farbe. Doch oft sind gerade haltbare und intensive Töne auch die bedenklichen für Mensch und Umwelt. Denn eine solche Langlebigkeit entsteht, indem die Faser durch chemische Reaktionen gefärbt wird. Darunter fallen besonders sogenannte Azofarben. Ihr Marktanteil liegt bei etwa 60 Prozent. Sie sorgen für kräftige Farben bei Baumwolle, Wolle und Seide. In Deutschland sind einige Azofarbstoffe seit den 90er Jahren verboten. Denn durch sie können krebserregende Stoffe im Körper entstehen.

Nach Greenpeace-Angaben werden ein Viertel aller weltweit produzierten Chemikalien in der Bekleidungsbranche verwendet und 45 Prozent aller Farbstoffe stammen aus China oder osteuropäischen Ländern. Bei konventionellen Färbeverfahren werden meist umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe verwendet, z.B. wenn das Bleichen mit Chlor stattfindet. Dies alles belastet die Umwelt stark, wenn man das in der Produktion entstandene Wasser einfach so abführen würde. In westlichen Ländern hat sich die Situation dank Abwasserbehandlungsanlagen, dem Einsatz moderner Farbstoffe und dem Verbot von einigen problematischen Produkten und Farbmitteln schon verbessert. In vielen anderen Teilen der Erde, insbesondere den hauptproduzierenden Textilländern in Asien und Osteuropa ist noch lange nicht dasselbe Niveau im Umweltschutz erreicht.

Farbe bekennen: Transparenz für den Verbraucher
Bei der unendlich langen Produktionskette von Kleidung scheint es fast unmöglich, als Endkonsument Transparenz über die Färbeverfahren und verwendeten Chemikalien zu erhalten.

Als ersten Anhaltspunkt gibt es den internationalen Colour Index in dem gut 4.000 Substanzen angegeben sind. Darunter sind etwa 800 bis 900 Farbmittel und 600 Textilhilfsmittel. Der Colour Index gilt als Standardwerk für die Farbstoffchemie. Allerdings ist die Angabe der Farbhersteller über die Zusammensetzung von Farbmitteln freiwillig und oftmals geben sie die komplette chemische Struktur einer Farbe nicht preis. Dazu kommt, dass Farbstoffe untereinander gemischt werden. Für den Endkonsument ist es daher fast unmöglich herauszufinden, welcher Farbstoff beispielsweise eine Allergie ausgelöst hat.

Schutz durch Öko-Siegel
Es gibt keine verbindlichen Öko-Standards für Textilien. Zwar sind nach gesetzlichen Regelungen die Hersteller in Deutschland verpflichtet z. B. anzugeben, wie sich eine Faser zusammensetzt, aber nicht welche Farbstoffe und Textilhilfsmittel verwendet wurden. Eine echte Hilfe für Verbraucher sind verschiedene Umweltsiegel, die von privaten Organisationen oder Institutionen vergeben werden.

Das Naturtextil BEST zertifiziert vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft IVN hat aktuell die vergleichsweise höchsten Ansprüche an textile Ökologie und berücksichtigt umweltbezogene und soziale Aspekte der Textilherstellung. Unter diesem Siegel zertifizierte Klamotten berücksichtigen den Färbeprozess. So sind die meisten Schwermetalle verboten. Das Gütezeichen GOTS (Global Organic Textile Standard) hat ähnliche Ansprüche und gewährleistet den Mindeststandard für Produkte, die als Naturtextilien bezeichnet werden dürfen.

Bio-Baumwolle und Naturfarben
Wenn Bio-Baumwolle bei der Herstellung von Kleidung wird, werden meist auch bei der Färbung nachhaltige Aspekte berücksichtigt. Formaldehydhaltige Kunstharze, antimikrobielle Wirkstoffe oder chlorhaltige Chemikalien sind bei einem solchen ökologischen Verarbeitungsprozess verboten. Es gibt eine Vielzahl von Pflanzen- und Naturfarben sowie synthetische Farbstoffe, die keine Allergien auslösen, gut auf der Faser haften bleiben und frei von Schwermetall sind. Das ist schonend für die Haut und Umwelt.

Es ist aber nicht automatisch garantiert, dass Bio-Baumwolle immer bio-weiterverarbeitet wird. Denn das erhöht den bereits teureren Produktionsprozess. Laut Angaben des Münchener Umweltinstitutes kostet das Färben mit Naturfarbe beispielsweise rund zwei Euro pro Kilogramm Textil, chemisches Färben hingegen nur 60 Cent. Nicht nur der Preis entscheidet darüber, ob ökologisch unbedenklich gefärbt wird. Knallige Farben wie orange, rot oder gelb sind mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Färbemitteln auch schwieriger herzustellen. Außerdem gibt es bislang kein Patentrezept, um Baumwolle und Hanf mit natürlichen Substanzen so einzufärben, dass sie den gewohnten Qualitätsstandards entsprechen. Dafür müsste man auf chemische Beizen zurückgreifen. Schwer vereinbar mit dem Anspruch für Öko-Farben.

Ein Label, das sich ökologisches und sozial bewusstes Färben auf die Fahnen geschrieben hat, ist Lebenskleidung. Die Berliner haben besondere Pflanzenfärbungen nach altem indischen Wissen neu entdeckt. Der spezielle Färbesud entsteht aus Kräutern, Wurzeln, Pflanzen und Erden. Er bleibt frei von synthetischen Chemikalien und Giften und ist vollständig biologisch abbaubar. Da freut sich empfindliche Haut. Die Farben der Stoffe, Schals und Bettwäsche entstehen aus Granatapfel, Kurkuma, Zitrone oder Kaffee.

Ein weiteres Beispiel ist das Bremer Label Leela Cotton. Die Textilien werden mit umweltfreundlichen, schadstoffarmen synthetischen Farbstoffen bedruckt oder gefärbt. Bei der Färbung werden keine optischen Aufheller, keine Schwermetalle und keine Chlorbleiche verwendet. Einige Artikel sind gänzlich ungefärbt.

Fazit: Es bleibt eine knifflige Sache, der ökologisch einwandfreien Farbe auf die Spur zu kommen. Was Ihr tun könnt: Klamotten nach dem Kauf mehrmals waschen, bevor man sie anzieht. Bei Allergien grelle Farben meiden. Möglichst nur blaue oder naturfarbene Jeans tragen. Textilien, die stark riechen oder abfärben lieber im Laden lassen.

Öko-Siegel geben eine erste Orientierung, haben teilweise aber sehr unterschiedliche Vergabekriterien. Im Zweifel einfach mal beim Hersteller nachfragen, wie die Kleidung genau gefärbt wurde.

Weitere Öko-Mode findet ihr bei uns unter Einkaufen.

Eine Meinung zu "Special: Das Färben von Kleidung"

Deine Meinung?

  1. faerberpflanzen (3. Januar 2011 um 23:27)

    Informationen zum Färben in früheren Zeiten finden sich im Buch von Eberhard Prinz "Färberpflanzen, Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin", 2009, Verlag Schweizerbart, ISBN 978-3-510-65258-7. Hier sind 117 Färberpflanzen beschrieben die in Frühzeit, Mittelalter und Neuzeit verwendet wurden. Die Färbeeigenschaften der Pflanzen, sowie die medizinischen und kulturellen Aspekte werden aufgezeigt. Jede Pflanze wird mit einem ganzseitigen Farbfoto dargestellt.

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