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Ein naiver Weltverbesserer, der auf die Schnauze fällt?

Do-Change Gründer Florian Münch im Interview. modeaffaire wollte mehr zum Social Business Konzept des Idealisten wissen.

modeaffaire: Lieber Florian, Do-Change ist Dein Modelabel. Seit Januar können Kunden Deine Shirts kaufen. Hier die typischen Gründerfragen: Wie entstand die Idee?

Florian Münch: Die Idee entstand im Anschluss an einen dreimonatigen Aufenthalt in Südafrika mit der Erkenntnis nach meiner Rückkehr nach Deutschland, dass die wirklich großen Probleme der Menschheit im Alltag der westlichen Welt kaum eine Rolle spielen. Ich wollte etwas finden, mit dem es gerade unter jungen Menschen attraktiv wird, sich sozial zu engagieren und dieses Engagement auch zur Schau zu stellen. Zudem sollte es einen einfachen Einstieg bieten und im Gegensatz zu hohen Ausgaben für regelmäßige Spenden keinen großen finanziellen Spielraum erfordern.

modeaffaire: Und wie lange hast Du Dich auf den Verkaufsstart vorbereitet, wie lange durfte Deine Idee reifen?

Florian Münch: In Südafrika war ich im Jahr 2009 in den Monaten Juni bis September. Im Anschluss entstanden die ersten groben Ideen. Ich hatte jedoch bereits beschlossen, meiner damaligen Freundin Anfang 2010 in die USA zu folgen und dort nochmal zu studieren. Somit war relativ klar, dass ich die Idee erst im Anschluss an das Studium, das ich im August 2012 beendete habe, starten würde. Die Gründung von Do-Change ist auf den  1.9.12 datiert. Der Verkaufsstart war am 13. Januar 2013. Somit hatte die Idee recht lange Zeit zu reifen. Nach der ersten groben Idee mit den modischen Prints auf Kleidung, die globale Probleme darstellen, wuchs das Konzept. Aus einem kritischen Blick auf die Profit- und Wachstumsgier großer Wirtschaftsunternehmen heraus, beschäftigte ich mich mit alternativen Geschäftsmodellen, fairen Produktionsweisen und der Möglichkeit, bedürftige Menschen am Erfolg teilhaben zu lassen. Heraus kam Do-Change.

modeaffaire: Was ist Dein Ziel für das Jahr 2013?

Florian Münch: Ich möchte 2013 so viel Umsatz machen, dass es sich lohnt, 2014 weiterzumachen. Bisher ist Do-Change ein Zuschussgeschäft. Ich habe 10.000 € investiert und verwende die Gewinne, um wieder neu zu investieren und die Produktpalette auszuweiten. Das erste Jahr sehe ich als Testjahr, um zu schauen, ob die idealistische Idee von Do-Change am Markt Chancen hat oder ob ein naiver Weltverbesserer damit auf die Schnauze fällt.

modeaffaire: Wer ist die Zielgruppe von Do Change?

Florian Münch: Es ist zu erkennen, dass umweltbewusste, sozial engagierte Menschen, die den Wunsch haben, nachhaltiger zu leben, die Idee von Do-Change gut finden und bei Do-Change einkaufen.

Wir haben bereits Käufer von 16 bis 60 aus dem ganzen Bundesgebiet gehabt. Ziel ist es langfristig darüber hinaus auch besonders junge Menschen von unseren Produkten zu begeistern, die sich bisher wenig mit den dargestellten globalen Problemen beschäftigt haben. Erst hierdurch können wir ja tatsächlich den Wandel anschieben, der als Wunsch die Idee mitbegründet hat.












modeaffaire: Wie viele Shirts hat Do-Change momentan im Sortiment und worin unterscheiden sich diese?

Florian Münch: Aktuell haben wir fünf verschiedene Motive bei je vier Damen- und Herrenschnitte. Manche Motive gibt es in unterschiedlichen Farben. Sie unterscheiden sich jedoch in Farbe und teils in Platzierung. Die fünf Motive wurden alle von unterschiedlichen Designern entworfen und beziehen sich je auf eins der Themen Bildung, HIV, Hunger/Bioethanol und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

modeaffaire: Welches ist Dein Lieblingsshirt und warum?

Florian Münch: Ich habe kein Lieblingsshirt von den aktuellen Motiven. Das sage ich nicht nur aus diplomatischen Gründen, sondern eher aus der Überzeugung, dass mir inhaltlich alle Shirts am Herzen liegen und ich gern dafür einstehe, was auf subtile Weise mit dem Shirt vermittelt wird.

modeaffaire: Auf Deiner Website heißt es, dass die Fair Wear und GOTS Zertifikate momentan die Besten seien. Worin begründet sich diese Meinung? Worauf legt Ihr besonderen Wert?

Florian Münch: Sicherlich ist die Einschätzung einer sehr persönliche. Objektiv lässt sich das nicht nachprüfen, da es tausende Siegel und Zertifikate gibt, die um die Gunst der Hersteller/Endkunden buhlen. Mich haben GOTS und Fair Wear überzeugt, da sie hohe Standards ausgeben, einen globalen Ansatz verfolgen und authentisch daherkommen. Transparenz wird in beiden Fällen groß geschrieben. Mir ist auch Kritik zum Beispiel über die Fair WearFondation zu Ohren gekommen. Und selbst bin ich auch kritisch gegenüber ALLEN Siegeln. Jedoch muss man sich bei aller Kritik fragen, was für Alternativen es gibt – ich sehe keine überzeugenderen, lasse mich aber jederzeit eines Besseren belehren.

Allgemein muss sich noch enorm viel tun in der Textilienindustrie. Alle aktuellen Ansätze können eben nur selbige sein und sollten nicht als finale Version einer fairen und funktionierenden Branche angesehen werden.







modeaffaire: Du sagst Do-Change sei ein Social Business – woher stammt der Wille ein Social Business zu gründen?

Florian Münch: Wir leben mit einem Wirtschaftssystem, das auf ständigen Wachstum ausgerichtet ist und dabei weniger die Interessen des Einzelnen als viel mehr die Interessen der Industrie fördert. Viele Wirtschaftsfachleute gehen davon aus, dass dieses System alternativlos ist und propagieren, dass der Einzelne vom System profitiert, indem Arbeitsplätze entstehen. Da Arbeitnehmer in diesem Denkmuster das schwächste Glied der Kette bilden, sehe ich  ihre Interessen – besonders im internationalen Vergleich in Entwicklungsländern – nur unzureichend vertreten.

Für mich ist dieses System zum Scheitern verurteilt. Wahrscheinlich nicht kurzfristig, aber auf Dauer. Bei begrenzten Ressourcen auf diesem einen Planeten kann es so nicht  weitergehen. Also möchte ich mit Do-Change eine Alternative entwickeln, die in hoffentlich allen Geschäftsbereichen auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist und dabei immer den sozialen Gründungszweck vor die Profitgier stellt.

Mir gefällt das Konzept, dass man transparent arbeitet und interessierten Menschen Einblick und Zugang zur eigenen Arbeit gibt. Wenn dann andere Menschen auch noch mitwirken können, die Software bzw. in diesem Fall die Geschäftsidee besser zu machen, dann ist das für mich das „Social Business 2.0“. Da Do-Change nichts zu verstecken hat, decken wir gern so viel wie möglich auf. Der Gedanke ist nicht, selbst mit Do-Change den größtmöglichen Erfolg zu erreichen, sondern der Idee zu größtmöglichem Erfolg zu verhelfen. Darin sehe ich einen großen Unterschied, der durch eine offene Firmenpolitik unterstrichen wird.

modeaffaire: In einer Deine Pressemitteilungen heißt es, dass „echte Nachhaltigkeit ein Social Business sein kann“ – Auch hier würde mich interessieren: Was ist echte Nachhaltigkeit für Dich?

Florian Münch: Nachhaltigkeit beginnt bei der Idee und führt über die Art der Führung des Unternehmens bis hin in jeden Geschäftsbereich. Wenn man bei Nachhaltigkeit anökonomische, soziale und ökologische Aspekte denkt, dann muss sich dies in allen Geschäftsbereichen widerspiegeln. Zu viele Unternehmen nutzen den Begriff der Nachhaltigkeit, um sich am Markt besser zu positionieren; sie machen sogenanntes „greenwashing“.

Hier möchte Do-Change gegensteuern. Als „Social Business“ kann dies besonders unter ökonomischen Aspekten besser gelingen, da meiner Überzeugung nach eine traditionelle Geschäftsstruktur, die hauptsächlich auf Profitmaximierung ausgelegt ist, nicht nachhaltig ist und somit auch nicht zu gesamtgesellschaftlichem Wohlstand führen wird bzw. die großen globalen Probleme nicht in den Griff bekommen wird.


Lieber Florian, wir sagen DANKE! für dieses informative Interview.

Lies' hier den Artikel zu Do-Change.

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