Gastartikel von Nina Schröter
Der Markt für Bio Baumwolle wächst und wächst. Das Thema Nachhaltigkeit findet seinen Weg in den Mainstream und wird auch von großen Modekonzernen aufgegriffen.
Bio-Baumwolle auf dem Vormarsch
Nachhaltigkeit ist und bleibt ein großes Thema bei Verbrauchern und im Einzelhandel. Alleine die Umsätze im Bereich Textilien (Kleidung und Heimtextilien) zeigen sich ausgesprochen vielversprechend. Viele Unternehmen setzen voll auf den Trend „Öko-Mode“ und sprechen damit die zahlungskräftige Klientel der LOHAS, eine ökologisch bewusste Käuferschicht an.
Sogar die Weltwirtschaftskrise ließ das Wachstum in diesem Bereich nicht zurückgehen. Im Jahr 2010 stiegen die Umsätze weltweit sogar auf $5.16 Mrd. Damit wurden die Erwartungen der Textile Exchange von $5.1 Mrd. für das Jahr 2010 sogar noch übertroffen.
Im Vergleich dazu: der weltweite Einzelhandelsumsatz von Produkten aus Bio-Baumwolle lag im Jahr 2009 bei $4.1 Mrd., was ein Umsatzplus von 35% gegenüber dem Jahr 2008 bedeutet. 2010 konnte ein Plus von satten 25% gegenüber 2009 verbucht werden. Rechnet man konservativ mit einer jährlichen Steigerung von rund 20% , könnte das Ergebnis für 2011 bei $6.2 Mrd. liegen und 2012 bei $7.4 Mrd. (Quelle: Textile Exchange).
Produkte aus Bio-Baumwolle nun auch bei H&M und Co.
Unglaubliche Zahlen. Zu „verdanken“ sind diese massiven Steigerungsraten, vor allem den großen global agierenden Modekonzernen aus Europa und den USA, die immer öfter „grüne“ Kollektionen mit in ihr Sortiment aufnehmen. Ökologisch korrekte Mode wird auch von den Firmen entdeckt, die sonst eher mit negativen Schlagzeilen aus ihren Produktionsstätten bekannt geworden sind, wie beispielsweise H&M. Der schwedische Mode-Riese zählte 2010 sogar zu den Top Ten der größten Abnehmer von Bio-Baumwolle. Ob diese Trendwende hin zu Nachhaltigkeit ein bloßes Marketinginstrument oder echtes Engagement ist, sei offen gelassen.
Auch die belgische Modekette C&A mit Sitz in Brüssel und Düsseldorf, ist mit unter den Top Ten der größten Abnehmer für Bio-Baumwolle. C&A bietet seine Kollektion unter dem Label „Bio Cotton“ seit 2007 an. Die Baumwolle stammt aus zertifiziertem Anbau (Zertifikat „OE 100“) und wird in Textilien und Produkte für den breiten Massenmarkt umgesetzt. Alleine 2009 wurden circa 18 Millionen Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle verkauft. In 2010 waren es sogar 26 Millionen Textilien aus Bio-Baumwolle. Geplant war dabei „lediglich“ ein Absatz von rund 23 Millionen Teilen. Diese Planung wurde also bei Weitem übertroffen. Und für 2011 will C&A nochmal eins drauf legen - geplant ist ein Absatz von ca. 30 Millionen Teilen (Quelle: www.gruenemode.com). Eine gestiegene Kundennachfrage ist dabei nur ein Grund für den Einstieg in den Markt der ökologisch korrekten Mode: "Wer ökologische und soziale Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie fördern möchte, muss sich entlang der kompletten textilen Wertschöpfungskette engagieren", sagt Andreas Seitz, Sprecher und Mitglied des C&A Europavorstandes (Quelle z.B. www.baumev.de). Soziales und ökologisches Engagement, werde bei C&A sehr erfolgreich umgesetzt wird, wie die aktuellen Zahlen beweisen .
Weiterhin sind unter den weltweiten Top Ten der größten Abnehmer von Bio-Baumwolle Modekonzerne und Marken wie Nike, Zara und die Otto Group, um nur einige zu nennen.
Warum Bio-Baumwolle besser ist
Der Markt für nachhaltige Textilien hat nach den Zahlen zu urteilen prächtige Zukunftsaussichten und dies ist auch gut so. Bio-Baumwolle ist besser für die Umwelt und vor allem für die Menschen, die diese anbauen. Bio-Baumwolle wird im Gegensatz zur konventionellen Baumwolle in einer Mischkultur angebaut. Durch eine natürliche Fruchtfolge wird die Bodenfruchtbarkeit aufrechterhalten, um so auf den Einsatz von chemischen Düngern zu verzichten. Um künstliche Pestizide während des Anbaus zu vermeiden, wird auf die natürlichen Feinde der Insekten gesetzt. So müssen sich die Kleinbauern nicht verschulden um teure Insektizide zu kaufen, die sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen, die damit arbeiten, zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen führen können. Auch wird bei der Ernte auf den Einsatz von Welkmitteln verzichtet. Kurz gesagt: im biologischen Anbau wird versucht Umwelt und Mensch keinen schädlichen, chemischen Substanzen auszusetzen, um so das Gleichgewicht der Natur aufrecht zu erhalten.
Die Gefahren beim Anbau von konventioneller Baumwolle
Die Gefahren im Anbau von konventioneller Baumwolle sind verheerend. Nicht nur die katastrophalen ökologischen Folgen, sondern auch die Folgen für die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Immer noch sterben ca. 20.000 Menschen (lt. WHO) jährlich an Vergiftungen im konventionellen Anbau von Baumwolle. Gefährliche Pestizide zum Beispiel, die bei uns längst verboten sind, finden in zahlreichen Baumwollanbauenden Entwicklungsländern noch Verwendung.
Immer wieder ins Gespräch kommt dabei das Pestizid Endosulfan. Hier wird in regelmäßigen Abständen über Vergiftungen und Tote berichtet. Allein in Indien spricht man von über 600 Todesfällen. Dort ist der Einsatz dieses Pestizids noch tägliche Praxis. Endosulfan ist ein Nervengift und wird vor allem auf Baumwollplantagen eingesetzt. Endosulfan reichert sich in Organismen und der Umwelt an und ist hochgiftig. Ein weltweites Verbot wurde bereits 2004 angestrebt. Aber erst im April 2011wurde Endosulfan in die Anlage A der Stockholmer Konventionen aufgenommen - damit erhielt der Schadstoff die dort höchste Gefahrenstufe. Damit hat man sich für dieses Nervengift auf ein Verbot geeinigt (betreffend der 133 Mitgliedsstaaten). Was aber noch nicht wirklich viel über das tatsächliche Einhaltung dieses Verbots aussagt, denn verbindliche Sanktionen bei Nichteinhaltung gibt es nicht. Wie so oft stehen dann wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund, wie sich am Widerstand Indien gegen dieses Verbot zeigte (Quelle www.vdinachrichten.com).
Der Weg in die richtige Richtung
Im 21. Jahrhundert müssen Unternehmen zeigen, dass auch sie Verantwortung übernehmen - sozial und ökologisch. Es darf nicht mehr allein der Kampf um das billigste Angebot im Vordergrund stehen. Und auch wir als Verbraucher sind gefragt. Wir müssen hinsehen und kritisch konsumieren. Vor allem für die Umwelt und die Menschen, die für uns in diesem Bereich arbeiten.
Über die Autorin:
Nina Schröter hat nach dem Studium der Bekleidungstechnik mehrere Jahre in der Produktentwicklung bei dem Sportartikelhersteller PUMA gearbeitet. Zurück in München kam eine Tätigkeit bei dem Münchner Pret-a-Porter Unternehmen Rena Lange in der Produktionsplanung und im Bereich Kollektions-Management. Die Aufgabe dort hat Schröter in Sachen Qualität geschult und ist übergegangen zu einer freiberuflichen Tätigkeit an der Akademie für Mode und Design in München. Als Dozentin für Textil Technologie hat sie Ihr breites Wissen in diesem Bereich unter Beweis stellen können.
Die Geburt Ihrer Tochter hat bei Nina Schröter viele Fragen aufgeworfen bzgl. den Textilien auf der Haut von Babys. Was ist drin? Was schadet meinem Kind? Und vor allem wie kann ich persönlich einen Beitrag leisten, dass die Welt in der wir leben auch für unsere Kinder erhalten bleibt? 2009 gründete Nina Schröter Liebkind. Liebkind ist der Online shop für werdende Mamas, frischgebackene Mamas und ihre Babys, der modisch, trendy und vor allem nachhaltig ist. www.lieb-kind.de