Auf den ersten Blick mag Baumwolle – vor allem wenn sie aus ökologischem Anbau stammt - meist vorteilhaft erscheinen. Baumwollkleidung trägt sich gut und lässt sich gut waschen. Auf den zweiten Blick jedoch – blickt man hinter die Kulissen - wird deutlich, dass Baumwolle nicht nur Vorteile aufzuweisen hat. Der Wasserverbrauch bei der Baumwollproduktion stellt einen sehr kritischen Aspekt dar und wirft die Frage auf, ob Bio-Baumwollanbau hier überhaupt Verbesserungen schaffen kann.
Die ökologischen Probleme der Baumwollproduktion sind unverkennbar
Der ausgetrocknete Aralsee als Beispiel für Bodenversalzung und Wüstenausbreitung, Grund- und Trinkwasserverseuchung durch Baumwollpestizide in Pakistan, Absenkung des Grundwasserspiegels in Kalifornien, Versumpfungen entlang von Bewässerungskanälen in Ägypten. Für diese und viele andere Beispiele ist zwar nicht nur die Baumwollproduktion verantwortlich, erscheint aber doch als einer der Hauptgründe.
Verschiedene Methoden der Bewässerung
Trotzdem muss man beim Anbau von Baumwolle zwischen zwei Arten der Bewässerung unterscheiden: Die künstliche Bewässerung und der Regenfeldanbau. Baumwollanbau im konventionellen Stil wird meist künstlich bewässert aufgrund höherer Erträge. So leider auch in Regionen mit sehr alten Bewässerungssystemen, was zu unkontrolliertem Feldabfluss und Verdunsten führt und dadurch Extremwerte im Wasserverlust zustande kommen lässt. Bis zu 29 000 Liter Wasser können alleine für die Produktion von einem Kilogramm Baumwollfaser nötig sein.
Mit modernen Bewässerungsmethoden können erhebliche Verbesserungen geschaffen werden
In Israel kann ein Kilogramm Baumwollfaser mit einem Einsatz von 7 000 Litern Bewässerungswasser erzielt werden, was durch gut ausgebildete Farmer und Tröpfchenbewässerung möglich ist. Auch eine verbesserte Instandhaltung bzw. eine Erneuerung der Bewässerungskanäle sind wichtige Faktoren, um die ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu steigern.
Nicht nur eine erhöhte Wassereffizienz spielt beim Stichwort Nachhaltigkeit eine Rolle, auch die Wasserqualität ist von Bedeutung. Ein erheblicher Anteil des Bewässerungswassers enthält Pestizide und Pflanzenschutzmittel. Diese werden aus dem Erdboden gespült und verschmutzen so Flüsse und das Grundwasser. Dadurch wird das Ökosystem maßgeblich beeinflusst, die Artenvielfalt reduziert.
Biologisch bewirtschafteter Boden speichert mehr Wasser
Während beim konventionellen Baumwollanbau – aufgrund der großen Schädlingsanfälligkeit von Baumwolle – auf Pestizide und Minderaldünger gesetzt wird, verzichtet Bio-Baumwolle komplett auf chemische Pflanzenschutzmittel. Stattdessen kommen natürliche Dünger, wie Kompost, zum Einsatz. Kompost hat außerdem den Vorteil, dass es langfristig den Humusanteil im Boden steigert. Das macht ihn weicher und lufthaltiger und lässt ihn so größere Wassermengen speichern, Farmer in Mali beispielsweise bewirtschaften ihre Felder mit Kompost und reichern so den Boden mit Humus an.
Weltweit wird Bio-Baumwolle zurzeit in 22 Ländern angebaut - führend sind dabei die USA, Türkei, Peru, Syrien und Indien. Obwohl der bisherige Anteil von Bio-Baumwolle auf dem Weltmarkt gerade mal bei 0,76 Prozent (Danke an Andrea für den Hinweis) liegt, ist es ein wichtiger Beweis dafür, dass Baumwollanbau auch ohne schädliche Pestizide möglich ist und gleichzeitig weniger Wasser verbraucht als kommerziell angebaute Baumwolle.
Trotzdem bleibt die Frage offen, ob Bio-Baumwolle langfristig eine Lösung für das Problem des zu hohen Wasserverbrauchs bei der Baumwollproduktion darstellt, oder ob die Baumwollpflanze einfach zu wasserintensiv ist. Kann Nachhaltigkeit hier überhaupt erreicht werden oder sollte man in Zukunft überlegen, auf andere Stoffe umzusteigen?
Lies auch Teil 1 und 2 unseres Baumwolle-Specials!
2 Meinungen zu "Teil 3: Bio-Baumwolle und Wasserverbrauch"
Deine Meinung zu “Teil 3: Bio-Baumwolle und Wasserverbrauch”:
Nicht 0,1% sondern 0,76% (also bald 1%!) der weltweiten Baumwollproduktion ist Bio-Baumwolle.
Ganz wichtig ist, dass, bewässert oder nicht, beim "bio" keine Pestizide ins Wasser gelangen, welche die Umwelt andersweitig belasten und beeinträchtigen.