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Nachbericht Berlin Fashion Week: Die grüne Verschwörung

Mehr als 90.000 Besucher auf der Berlin Fashion Week – wir waren zwei von ihnen und haben uns natürlich stark mit dem Thema Eco Fashion auseinandergesetzt. Bio-Mode erhielt in Berlin in diesem Januar vier Plattformen: den Lavera Showfloor mit GREEN AVANDGARDE, den GREENshowroom im Hotel Adlon, den Eco Showroom in der Almstadtstraße sowie die Messe THEKEY.TO in der Columbiahalle. Zusammen sind sie die Eco Fashion Week – immerhin, vor drei Jahren noch undenkbar.

Eco Showroom

Nach der Preisverleihung des Humanity in Fashion Awards haben wir am Donnerstag dem Eco Showroom einen Besuch abgestattet: Dort gab es nicht nur einen liebevoll eingerichteten Laden zu sehen und ein herzliches Wiedersehen mit dem ein oder anderen bekannten Gesicht, sondern auch leckere, heiße Bio-Suppe zur Begrüßung. Im Showroom der Agentur sieben&siebzig durften wir zum Beispiel schöne Kleider von Rianne de Witte, Ansoho, Reflection und Vilde Svaner bestaunen. Nebenan wurde das neue Dr. Hauschka Fashion-Accessoire by Mikenke, ein multifunktionales Haarband aus Bio-Lachsleder, präsentiert. Der Naturkosmetikhersteller schlägt mit der Kooperation zum zweiten Mal eine Brücke zwischen Kosmetik und Mode. Ab März 2011 wird das Accessoire in ausgewählten Department- und Concept-Stores erhältlich sein.

Eindrücke der Messe THEKEY.TO

Danach ging es direkt auf die Eco Fashion-Messe THEKEY.TO. Veranstaltungsort war die Columbiahalle. Viele uns bereits bekannte Hersteller haben sich mit internationalen Labels gemischt, die wir noch nicht kannten. Besonders schöne Entdeckungen waren zum Beispiel L`Etrangere mit ihren verspielten, hochwertigen Strickwaren, die Taschen aus pflanzlich gegerbtem Leder von Do the bag oder Rooters sowie die sexy Jeanskleider von Reet. Unbedingt haben möchten wir auch das Sommer-Modell des niederländischen Labels Elementum: Dieses kann vom Schal zum Kleid auf verschiedenste Weise getragen werden.








Um 16 Uhr lud das sympathische Eco-Model Summer Rayne Oakes zum „Workshop“. Oakes wurde von Vanity Fair als „Word Citizen“ ernannt, sie gilt als eine der Top Umweltaktivisten und Jung-Trendsetter international. Es wäre interessant gewesen, mehr über ihre Person und Erlebnisse als Eco-Exotin in der Modewelt zu erfahren. Primär ging es aber um ihr neuestes Projekt, die Plattform source4style. Diese ist ein Business-Online-Marktplatz, der es Designern und Sourcing-Teams leichter macht, nach nachhaltigen Materialien und Dienstleistungen zu suchen und damit zu arbeiten. Fazit des Vortrags: „Investiere in dich selbst, denn wenn du nicht an dich glaubst, tun es andere auch nicht.“ Wie wahr.

Abends wurde auf der KEY.TO dann eine Pressekonferenz mit Renate Künast abgehalten. Frau Künast betonte, wie wichtig es sei, weiter am Ball zu bleiben, grüne Mode zu pushen und sie zum Beispiel auch „plenarsaaltauglich“ zu gestalten. Ihrer Meinung nach wäre es wichtig, das Thema Öko-Mode an eine kritische Masse zu vermitteln, um überhaupt auf breiter Ebene etwas zu erreichen – eben genauso wie das im Bereich der Lebensmittel passiert wäre. Das leuchtet ein und ist für die Branche wünschenswert. Doch wie erreicht man dieses Ziel? Mitunter sicher durch Transparenz und weiterhin viel Aufklärungsarbeit.

Wie nachhaltig kann die Fashion Week sein?

Die Messe selbst stand dieses Mal unter dem Motto "Conspiracy". Und ja, etwas nach Verschwörung hat es schon ausgesehen. Die inzwischen durchaus an Vielfalt erstarkte KEY.TO wurde zwar im Rahmen der Berlin Fashion Week in Nähe der Bread&Butter abgehalten, versteckte sich aber dennoch etwas abseits des Trubels. Das Event kann in erster Linie kleineren Newcomer-Labels eine interessante Plattform bieten - die großen Massen werden hier nicht erreicht. Auch lässt sich das Image des "Abseitigen" diskutieren oder generell der „Sonderstatus“, den Bio-Mode auf der Fashion Week einnimmt. Vielleicht liegt es auch einfach an dem Konzept „Fashion Week“, das sich mit Öko-Mode schlichtweg beißt. Hier werden zweimal im Jahr die neusten Trends und die Schnelllebigkeit der Mode zur Schau stellt. Wie nachhaltig kann das sein? So gesehen war es direkt erholsam, den Modezirkus hinter sich zu lassen und in die eigene Welt der KEY.TO einzutauchen, wo alles noch ein bisschen improvisiert und eben menschlich wirkte.

Trotzdem: Über Kurz oder Lang wird es darum gehen, Öko-Mode stärker in die großen Messen der Fashion Week zu integrieren und dauerhaft sichtbarer zu machen. Diesen Wunsch spricht auch Renate Künast im Interview mit dem Tagesspiegel aus: „Ökomode gehört in die Stadtzentren, in die normalen Läden. So wie wir Bio in die Supermärkte bekommen haben, muss das auch bei der Ökomode sein."

GREENshowroom Hotel Adlon











Für uns ein sehr schöner Abschluss war die Salonschau im Hotel Adlon. In drei aufeinander folgenden Show-Blocks präsentierten sich die Labels Mühlmann, Studio Ecocentric, Braintree, Christina Krämer, Lana Naturalwear, RoyalBLUSH, Mikenke und ica watermelon. „Die Vielfalt unserer Aussteller und die Bandbreite ihrer nachhaltigen Ansätze kam so wunderbar zur Geltung“, ließen Jana Keller und Magdalena Schaffrin, die Gründerinnen des GREENshowroom, per Pressemitteilung verkünden. Und das stimmt: Skeptiker, die immer noch an das Wollsocken-Image der Öko-Mode glauben, bekamen hier extravagante Designs zu Gesicht, die im High Fashion Segment ganz oben in der ersten Liga mitspielen.

Aus Berlin Sabine Segerer und Katharina Höfling

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